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Südtirol - 03.06. - 05.06.2010
Geschrieben von: tom.k1   
Südtirol Karte

Tour Übersicht:

Pfalzgrafenweiler - Bozen (Italien) - Immenstadt/Bühl (Alpsee, Deutschland) - Pfalzgrafenweiler

3 Tage, ca. 1200 km

 

 

 

Tag 1 (ca. 580 km):

Pfalzgrafenweiler - Bregenz - Imst – Sölden – St. Leonhard – Racines - Sarentino – Ritten - Bozen

Bodensee

Früh morgens sollte es gleich um 7 Uhr losgehen. Allerdings wurde der Start durch eintretende Regenschauer verhindert. Nachdem allerdings null Besserung in Aussicht war, starteten die Motoren im Fahrerlager dann gegen 07:30 Uhr. Mit Regenkombi und Plastiktüten ausgestattet ging's so raus ins frische Nass. Der einzige, der nicht wirklich Water-proofed war, war dann wieder ich. Die Anfahrt auf die A81 richtung Singen in Rottenburg gestaltete sich bereits als nasses Vergnügen für mein Schuhwerk. Aber wer denkt, dass Sidi Racing Boots dem Wasser standhielten, was an diesem Tag herunter kam, dem sei es nicht vergönnt ;-)

Ursprünglich wollten wir bis Stockach die A81 fahren und der Bundesstraße dem Bodensee entlang weiter bis Lindau folgen, um dann die ersten Kurven im schönen Allgäu entgegen zu nehmen und anschließend über den Namlos Pass und das Hahntennjoch den Arlberg passieren. Doch dank des nicht planmäßigen Wetters, das sich teilweise in brachialen Regenbrüchen widerspiegelte und meine Stiefel regelrecht zum Überlaufen brachten, entschieden wir uns für die regengerechtere Variante: Bei Bregenz die 7-Tages-Vignette (7 Euro pro Kopf) geholt, ab auf die Autobahn. So trieben wir dann mit dem Verkehr bis Imst runter, wo wir dann in den Süden gen Sölden abbogen. Das Wetter hatte sich allmählich gebessert und es kamen nur noch vereinzelt ein paar Tropfen herunter.

 

Timmelsjoch Nordseite
Timmelsjoch Südseite

Nun stand der erste Pass bevor: das Timmelsjoch (2.474 Meter, 360°-View), das seit 1919 ein Grenzpass zwischen Österreich (Tirol) und Italien (Südtirol) bildet. Es verbindet das Öztal mit dem Passeier Tal. Die Überfahrt des Timmelsjoch ist kostenpflichtig und nicht ganz billig. 12 Euro pro Mann wird verlangt.

Je höher wir dort dem Gipfel kamen, umso nebeliger wurde die Lage. Mit dem Steigen des Schneepegels allerdings, setzte sich der Nebel überraschender Weise nach und nach. So fuhren wir dem Gipfel auf der durch 3 Meter hohe Schneewände gefräßten Straße entgegen. Leider hatten wir zu dem Zeitpunkt die Videocam noch nicht montiert, so dass wir hiervon leider kein Video haben. Doch keiner konnte ahnen, dass das Wetter so umschwingen würde. Die Fahrt durch die Schneewände war wirklich „cool“ und forderte trotzdem äußerste Aufmerksamkeit, da Eisbrocken und Eiswasser die Straße regelmäßig kreuzten. Ein kurzer Zwischenstopp auf dem Scheitelpunkt direkt nach dem Gipfel-Tunnel bescherte uns tolle Ausblicke auf die italienische Seite des Passes.

Auf der italienischen Seite, der Timmelsjocher Abfahrt ins Passeier Tal (Video Part I, Part II) hatten wir auf einen Schlag 28 Grad und pure Sonne. Ein so heftiger Wetterwechsel war uns selten vorgekommen, aber wir waren natürlich erfreut darüber. So sehr, dass wir die Sonne in einem Pass-Restaurant erstmal bei einem Wiener Schnitzel verarbeiteten. Meine Stiefel und Handschuhe waren in der Kraft der Sonne innerhalb einer halben Stunde fast komplett getrocknet.

 

Frisch motiviert und mit Sonnenenergie versorgt sollte es nun also auf Kurvenjagd gehen. Bereits die Abfahrt durch das Passeier Tal, das nördlich von Meran liegt, zauberte uns ein Grinzen unter den Helm. In dem Geschlängel kann man das Moped schön von einem in die nächste Kurve werfen. So zieht sich das Tal ca. 30 km bis St. Leonhard runter. Dort bogen wir dann links ab richtung Sterzing/Brenner, wo ein paar Kilometer später der Jaufenpass (2.094 Meter, Video, 360°-View) auf uns warten sollte. Dieser verbindet das Passeier Tal mit dem Wipptal (Brennerstraße). Die sehr kurvenreiche Straße hat 20 Kehren und ist ca. 40 km lang. Vor allem aber ist er super ausgebaut und macht einen Heidenspaß.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir aufgrund kurzer Bauarbeiten an einer Stelle halten mussten. An der uns ein OG’ler ansprach, der drei weitere Pfalzgrafenweilerner im Schlepptau hatte. So klein ist die Welt! Hiermit ein netter Gruß an die Landsleute, die wir selbst leider nicht zu Gesicht bekamen.

 

Passeier Tal Jaufenpass

Penserjoch

Campingplatz Bozen

Direkt im Anschluss liegt zwischen Sterzing und Bozen das Penser Joch (2.211 Meter, Video hoch, Video runter, 360°-View). Die Südseite der Passstraße wurde noch vor 1936 erbaut, während die Nordseite aus strategischen Gründen zwischen 1936 und 1938 erbaut wurde. Die Auffahrt von Norden her hat nur 4 Kehren, gewinnt aber stetig an Höhe und besitzt bis zu 13% Steigung. Auf dem Scheitelpunkt liegt der Gasthof Alpenrosenhof. Da wir uns noch nicht mitten im Hochsommer befanden, hatten wir ein tolles Panorama. Der sowieso schon tolle Ausblick wurde durch die weißen Bergspitzen noch eindrucksvoller. Das Penser Joch ist die schnellste Verbindung nach Bozen.

Aber anstatt direkt nach Bozen runter zu fahren, bogen wir vor Osteria Turisti nach links richtung Ritten ab. Hier schlängelt sich eine Straße bis nach Ritten. Kein wirklicher Pass, aber die wohl spaßigste Fahrt an diesem Tag. Die Straße ist eine einzige Anhäufung von aneinander gereihten Kurvenkombinationen. Nur zu Empfehlen!

Von Ritten aus, steht anschließend eine Abfahrt nach Bozen bevor, die tolle Ausblicke über die Weinberglandschaft bietet und den Fahrer mitten durch diese hindurch führt. Breite, super ausgebaute Straßen mit bestem Asphalt wecken den Kurvenkratzer in einem.

Nun gingen wir auf Campingplatzsuche. In Bozen selbst ging’s chaotisch zu. Viele Menschen, viele Autos, viele Ampeln und keine Camping-Ausschilderungen. Unser Campingplatz jedoch befand sich 2-3 km südlich von Bozen, in Leifen. Was wir dann auch schnell ausgemacht hatten. Von Bozen kommend, liegt der Campingplatz „Camping Steiner“ (www.hotelsteiner.com) direkt nach dem Ortseingang auf der rechten Seite. Freundliches Personal, schöne Zeltplätze und top Sanitäranlagen sprechen für sich. Ganz praktisch ist, dass dort unten 90% aller Leute deutsch sprechen.

 

 

Tag 2 (ca. 380 km)

Bozen – Mendel – Cles – Ponte di Legno – Bormio – Santa Maria (Schweiz) – Imst – Alpsee (Allgäu)

Tonalepass
Tonalepass Bar

Kurzes Frühstück, die Sachen zusammengepackt und wieder verstaut, brachen wir von Bozen aus richtung Cles auf. Zirka 5 km südwestlich von Bozen schlängelt sich der etwa 26 km lange Mendelpass (Video) über eine Höhe von 1.362 Meter. Dieser gilt seit eh und je als Sprachgrenze zwischen dem deutsch- und dem italienischsprachigen Tirol. Leider bot sich dort keine Haltemöglichkeit um zu fotografieren. Zumal der Fahrspaß dort viel zu groß war, als dass wir mittendrin gestoppt hätten. Auf der breit und gut ausgebauten Straße bieten sich reichlich Kehren, Kurven und tolle Ausblicke ins Tal. Auf der Passhöhe zweigt eine enge Stichstraße auf den 1.737 Meter hohen Gipfel des Penegal ab, der eine tolle Aussicht ins östlich und westlich liegende Tal bietet, wir aber nicht unter die Räder nahmen. Wir fuhren den Mendelpass auf der Ostseite direkt wieder runter. Die Abfahrt führt über 17 Kehren mit einem tollen Panorama und atemberaubenden Ausblick ins Tal der Etsch (zweitlängster Fluss in Italien) herunter.

An dem Lago di Santa Giustina und dem nebenan liegenden Cles vorbei, fuhren wir direkt auf den Tonalepass (1.884 Meter, Video West, 360°-View). Dieser fährt sich relativ geschmeidig und scheint einem auf den ersten Blick auch nicht direkt ein Pass zu sein. Der Pass erstreckt sich auf ca. 40 km bis auf die Passhöhe. Dort steht ein Kriegsdenkmal (Monumento Ossario), das an erfolgreich vergangene Schlachtzüge aus dem ersten Weltkrieg erinnert. Der Tonalepass hat uns nicht aus den Socken gerissen, war aber dennoch schön zu fahren.

Zusätzlich erfüllte er seinen Soll, uns zum Gavia Pass (2.618 Meter, Video Nordseite Part I, Part II, 360°-View) zu führen. Dieser führt nach der westlichen Passabfahrt des Tonalepasses, bei Ponte di Legno rechts ab in den Norden nach Bormio. Die Südrampe bietet neben den 15 Kehren und einem relativ kurzen gut ausgebauten Straßenteil, EXTREM enge Passagen. Mein Vater erzählte oft von der Fahrt mit dem Wohnmobil davon. Wie die Fahrradfahrer sich an die Wände pressten, nur damit er passieren konnte. Ungelogen: An den schmalsten Passagen passen zwei Motorräder gerade so aneinander vorbei. Dass sich die Rückspiegel nicht berühren, ist dabei alles. Die Breite variiert dabei zwischen 1,5 – 3 Metern. Einen so engen Pass sind wir vorher auch noch nie gefahren. Und die Erzählungen meines Vaters hatten sich mehr als bewahrheitet. Wären wir dort einem Wohnmobilfahrer begegnet, hätten wir diesen vermutlich höchstpersönlich aus dem Cockpit gezogen ;-) An vielen Stellen ist ein Passieren zweier PKWs unmöglich, so dass man auf diesem Pass sehr bedacht um die Kurven fahren sollte. (360°-View Gavia Pass Mitte, 180°-View Gavia Kurve)

Gavia Zwischenstop Gavia Scheitelpunkt
Stilfserjoch Westrampe Stilfserjoch Scheitelpunkt Ausblick

Auf der Passhöhe tummelten sich bei uns eine Menge Motorradfahrer, in Mitten von 2 Meter hohen Schneewänden. So fuhren wir durch die Schneewände begleitet die weit aus besser ausgebaute Nordrampe wieder herunter. Der Gaviapass ist zwar nicht dazu geeignet sonderlich schnell zu fahren, jedoch ist er eine Erfahrung wert und macht auf seine eigene Art sehr viel Spaß und weckt den Gipfelstürmer in einem. Tolle Ausblicke und Haltemöglichkeiten sind reichlich vorhanden.

 

Nachdem wir mit der Abfahrt des Gaviapasses in Bormio mündeten, fuhren wir weiter in den Norden, wo direkt das Stilfserjoch (2.757 Meter, 360°-View) anknüpft. Der höchste Gebirgspass Italiens und zweithöchste asphaltierte Pass der Alpen beeindruckt mit seiner kehrenreichen Vielfalt. Der Anblick von unten sowie oben ist wirklich herrlich. Auf 2.503 Metern mündet der aus der Schweiz kommende Umbrailpass auf das Stilfserjoch. Wir fuhren allerdings weiter bis auf den Passscheitel oben. Ein rießen Mob an Bikern und Fahrradfahrern war dort aufgelaufen. Und zu unserem Bedauern war die Nordseite des Stilfersjochs noch gesperrt. Ein großer Schneehaufen signalisierte uns das früh. Und das, obwohl unten, am Anfang des Passes der Pass als geöffnet ausgeschildert war. So mussten wir uns notgedrungen für den Umbrailpass und ein kurzes Stück Schweiz entscheiden, da der komplette Rückweg zu viel Strecke bedeutet hätte. Eine gut hinnehmbare Alternative. Im Gegensatz zu vielen Fahrradfahrern, die die ganze Strecke hoch strampelten und dann enttäuscht Kehrt machen mussten. So fuhren wir die 2 km zurück zur tiefer gelegenen Abzweigung zum Umbrailpass.

Dieser ist auch sehr schön zu fahren, auch wenn 2-3 km über baustellenbedingten unbefestigten Schotter gingen. Mit der Nordrampe des Stilfersjochs jedoch kann dieser vermutlich nicht mithalten. Schon von der Südrampe mit ihren 14 Kehren beeindruckt, hat die Nord bzw. Ostrampe ganze 48 Kehren im Petto. Dann steht der Stilfserjoch im Sommerurlaub eben noch auf der To-Drive-Liste, damit wir uns selbst ein Bild davon machen können ;-)

Auf dem Umbrailpass mal wieder von einem Wienerschnitzel gesättigt ging’s dann weiter ins Tal. Und von dort aus dann nur noch über Mals im Vinschgau bis Imst zurück. Und zwar deshalb nach Imst, weil wir im Zurück nun das im Runterwärts versäumte Hahntennjoch im Arlberg nachholen wollten.

Alpsee Camping Alpsee

Auf der Fahrt dorthin machten sich bei mir allerdings seltsame Schaltprobleme bemerkbar. Beim Runterschalten kam ich nicht mehr in den 1. Gang. Jedoch nur sehr unregelmäßig. An Imst vorbei, kurz vor dem Hahntennjoch, wurden die Probleme dann krasser. Gang 4-6 ließen sich normal einlegen (sofern ich mal in den dritten Gang kam). Jedoch kam ich nicht mehr weiter runter. So dass ich an Ampeln im vierten Gang anfahren musste, und in hiesigem auch die Spitzkehren des Hahntennjoch fahren durfte. So war ich gezwungen einen kurzen Zwischenstopp einzulegen, um die Gänge irgendwie und mit viel Glück wieder runterzuschalten. So fuhr ich den Rest des Passes dann voll im 3. Gang.

Abgesehen von meinen kleineren Schaltmechanikproblemen ist der Hahntenjoch ein klasse Pass. Toller Asphalt, Kurven und Panorama. Und dazu noch nicht mal sehr weit entfernt. Bei einer Allgäu- / Arlbergtour sollte dieser auf jeden Fall auf dem Programm stehen. Danach fuhren wir noch bis zum Alpsee (180°-View) und schlugen dort unser Camp im Alpsee Camping (www.alpsee-camping.de) auf. Ein sehr sauberer, moderner, direkt am See gelegener Campingplatz mit Restaurant, das für günstige 9 Euro ein unglaublich leckeres XXL Schnitzel zaubert. Sanitäranlagen dort sind ebenfalls erste Sahne. Platzwahl dort ist frei.

 

 

 

Tag 3 (ca. 240 km)

Alpsee – Lindau – Stockach A81 - Pfalzgrafenweiler

Am letzten Tag ging’s dann vom Alpsee über Lindau, den Bodensee entlang auf die A81 gen Heimat. Deshalb keine Überlandfahrt, weil mich die Schaltprobleme in den Wahnsinn trieben. Noch bevor wir zu Hause eintrudelten, statteten wir unserem Mechaniker des Vertrauens einen Besuch ab, der das Problem auch gleich auf den ersten Blick erkannte. Zum Glück nichts Schlimmes: Ein Teflonlager im Schaltgelenk war so verdreckt, dass die Mechanik nicht mehr rund arbeitete und sich dadurch die Gänge nicht mehr einlegen ließen. Wahrscheinlich durch den vielen Regen und Dreck verursacht.

Was lernen wir daraus: immer fleißig putzen und laufa lau!

 

Mit dabei waren: Sadin (VF 750F '87), Tom (ZX-6R '98) und Sepp (ZX-6R '00)

Gavia Gruppenbild

 

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